HomeAbo/LeistungenSign in/-outKontakt/Über uns
Nachrichten aus der Pflege
Donnerstag, 21. März 2019

Pflegenotstand in Deutschland: Migrantische Pflegekräfte als Lösung für Staat und Familien?

BERLIN (scp) – Der Einsatz von ausländischen Pflegekräften im häuslichen Bereich kann helfen, ist jedoch in verschiedener Hinsicht äußerst problematisch, mahnt ein Forscherteam der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Denn die migrantischen Pflegearbeiterinnen verfügten häufig über keine entsprechende Ausbildung, müssen rund um die Uhr zur Verfügung stehen und werden unter Mindestlohn bezahlt.

Mittlerweile würden laut einer Recherche der Stiftung Warentest über 250 Vermittlungsagenturen mit einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung durch ausländische Hilfskräfte in Privathaushalten werben. Kamen diese Pflegearbeiterinnen bisher vorwiegend aus Polen, so reisen jetzt zunehmend auch Frauen aus anderen osteuropäischen Ländern wie Rumänien oder der Slowakei an.

Gemäß einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung sind rund 200.000 Care-Arbeiterinnen aus Mittel- und Osteuropa in Deutschland tätig; die Dunkelziffer sei allerdings hoch. „Uns hat überrascht, wie stark verbreitet diese Pflegearrangements mit migrantischen Arbeiterinnen mittlerweile sind", teilt Prof. Dr. Cornelia Schweppe von der JGU zu den dreijährigen Untersuchungen mit.

Alle wissen es, es wird jedoch nicht interveniert

„Dabei erfolgt der allergrößte Teil dieser Anstellungen informell, das heißt, es besteht kein reguläres Arbeitsverhältnis, die Arbeitszeiten sind zu hoch, der Lohn niedrig. Im Grunde weiß dies jeder, aber es wird nicht interveniert."

Schließlich scheinen diese Arrangements auf den ersten Blick im Interesse aller Beteiligten zu sein: Die Familien haben eine Lösung gefunden, die migrantischen Pflegekräfte eine im Vergleich zu ihren Herkunftsländern besser bezahlte Tätigkeit und der Staat kann am bisherigen Pflegesystem festhalten, statt unpopuläre, weil teure Reformen durchzuführen, weist Schweppe weiter hin.

Wie die Untersuchung zudem zeigt, spielt es für die Familienangehörigen zunächst kaum eine Rolle, dass die migrantischen Pflegearbeiterinnen in der Regel über keine entsprechende Ausbildung verfügen. Wichtig sei vielmehr die zwischenmenschliche Ebene.

Flickwerk deutsche Altenpflege?

Für Dr. Vincent Horn, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsteams, handelt es sich beim deutschen System der Altenpflege um ein Flickwerk, das vor allem die Familien in die Verantwortung nehme – und sie mit irregulären Pflegearrangements allein lässt.

Ein Blick über die Grenzen könnte zeigen, dass es auch anders geht. Österreich hat zum Beispiel 2007 die qualitätsgesicherte 24-Stunden-Betreuung auf eine legale Basis gestellt. Die Niederlande haben vor Jahrzehnten entschieden, einen professionellen öffentlichen Pflegesektor zu schaffen und gleichzeitig die Familien aus der Verantwortung zu nehmen. „Die Niederlande verfügen heute über ein sehr gutes Netz ambulanter Dienste und anderer Hilfen im Haushalt", beschreibt Horn die Situation im Nachbarland. Mit der finanziellen Ausstattung und den bisherigen Regulierungen der sozialen Pflegeversicherung in Deutschland wäre dies allerdings nicht zu machen, so Horn.


Die Social Company
Nachrichten aus der Pflege

Ihr Wissen stärkt die Pflege! Hier geht es zum Abo.

Weitere News aus dem Bereich Studien & Positionen:

21.02.2019 - IEGUS-Studie. Unternehmerisches Wagnis in der ambulanten Pflege

Berlin (scp) – Das IEGUS, Institut für Europäische Gesundheits- und Sozialwirtschaft, hat die Ergebnisse der Studie zum unternehmerischen Wagnis in der ambulanten Pflege vorgelegt. Ziel der Studie ist es, eine wichtige Grundlage für die Vergütungsverhandlungen im...
weiterlesen


14.02.2019 - Pflegebevollmächtigter: Projekt zu Arbeitsbedingungen in der Pflege gestartet

Berlin (scp) – Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, hat das „Projekt zur Umsetzung guter Arbeitsbedingungen in der Pflege" gestartet. Den Zuschlag hierfür hat die Curacon GmbH erhalten. Westerfellhaus: „Wir...
weiterlesen


12.02.2019 - CARE Klima-Index 2018. Stimmung ist mies – oder scheint mies zu sein?!

Berlin (scp) – „Die Stimmung in der Pflege wird frostiger" steht als Überschrift über der Meldung zum CARE Klima-Index 2018. Projektverantwortliche des CARE Klima-Index Deutschland ist Stephanie Hollaus vom Institut Psyma Health & CARE GmbH. Herausgegeben wurde der...
weiterlesen


23.12.2018 - Präventionsbericht 2018: Erstmalig Pflegekassen mit im Boot

Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr 8,1 Millionen Menschen mit präventiven und gesundheitsförderlichen Maßnahmen erreicht. Das sind so viele wie nie zuvor, heißt es im aktuellen Präventionsbericht des GKV-Spitzenverbandes und des Medizinischen...
weiterlesen


20.12.2018 - BKK-Gesundheitsreport. Arbeit altersgerecht gestalten

Berlin (scp) – Der BKK Bundesverband hat seinen Gesundheitsreport 2018 vorgelegt. Thema in diesem Jahr ist „Arbeit und Gesundheit Generation 50+". Mehr als ein Drittel der BKK-Versicherten sind Beschäftigte, die 50 Jahre oder älter sind. Die Tendenz ist weiter steigend....
weiterlesen


11.12.2018 - Pflege: Ungleichheit bei Versorgung und Kosten

Berlin (scp) – Die hohen Kosten, die Pflegebedürftige und deren Angehörige für die Pflege aufbringen müssen, sehen die Deutschen kritisch, heißt es im aktuellen DAK-Pflegereport 2018. Neun von zehn Befragten sagen, dass Pflegeheime teuer sind. Sieben von zehn sind...
weiterlesen


05.12.2018 - #PflegeComebackStudie

Berlin (scp) – Vorweg sei betont (Anm. d. Reaktion), die Ergebnisse der nachfolgenden Studie basieren auf 21 „qualifizierten Tiefeninterviews" und 50 „quantifizierten Ergebnissen". Befragt wurden ehemalige Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger sowie Altenpfleger. 77...
weiterlesen


21.11.2018 - Pflegereport 2018. Pflegende Angehörige brauchen Unterstützung

Berlin (scp) – Die BARMER hat ihren Pflegereport 2018 vorgestellt. Darin heißt es, dass dem Pflegenotstand in Deutschland nicht nur durch den Fachkräftemangel eine dramatische Verschärfung drohe. Nein, 185.000 von rund 2,5 Millionen Personen, die heute Angehörige zu Hause...
weiterlesen


13.11.2018 - Megatrend Demographie. Mit Einzelmaßnahmen löst man nicht das Fachkräfteproblem

Berlin (scp) – Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Sozialministerin in Hessen, verwendete auf der 5. Berliner Pflegekonferenz deutliche Worte. „Auch in Rheinland-Pfalz gibt es erhebliche Schwierigkeiten Pflegefachkräfte einzustellen, bei einer gleichzeitigen deutlichen...
weiterlesen


31.10.2018 - Gute Arbeitsbedingungen. Schlüsselfaktoren

Berlin (scp) – Was genau gute Arbeitsbedingungen in Pflegeeinrichtungen ausmacht, stellte Prof. Dr. Thomas Klie, Evangelische Hochschule Freiburg, anhand von 14 „Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Personalarbeit in der Langzeitpflege" auf einer Veranstaltung des...
weiterlesen


27.10.2018 - PTHV. Studie: Kaum ein Zusammenhang von Pflegezeit und Pflegegrad

Berlin (scp) – Die Pflege- und Betreuungszeit der in stationären Pflegeeinrichtungen lebenden Pflegebedürftigen hängt nur zu 21 Prozent mit den Pflegegraden zusammen. Ein Bewohner mit einem hohen Pflegegrad benötige somit nicht unbedingt mehr Pflege- und...
weiterlesen


26.09.2018 - Umfrage: 80 Prozent der Befragten fühlen sich in der Pflege gehetzt

Berlin (scp) - Laut der vom DGB und ver.di vorgelegten Sonderauswertung der Umfragen zum „DGB-Index Gute Arbeit" liegt der Anteil der Krankenpflegerinnen und -pfleger, die sich bei der Arbeit oft gehetzt fühlen bei 80 Prozent (Altenpflege: 69 Prozent; alle Berufsgruppen: 55...
weiterlesen


31.08.2018 - Studie Bertelsmann Stiftung. Was tun gegen den Fachkräftemangel in der Altenpflege?

Berlin (scp) - Welche Strategien können dem Fachkräftemangel in der Altenpflege am ehesten entgegenwirken? Die Bertelsmann Stiftung hat hierzu eine Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Dabei geht es neben mehr Stellen und einer höheren Bezahlung vor allem um...
weiterlesen


31.08.2018 - Arbeitsbedingungen von Pflegenden: In Schweden läuft manches besser

Berlin (scp) – Ähnlich wie in Deutschland ist bei den Arbeitsbedingungen von Altenpflegekräften in Japan und Schweden noch viel Luft nach oben. Manches läuft insbesondere in Schweden allerdings besser, zeigt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte...
weiterlesen


28.08.2018 - Studie. Mehr Personal macht den Pflegeberuf attraktiver

Berlin (scp) – Als Pflegefachkraft zu arbeiten, soll deutlich attraktiver werden. Das will die Bundesregierung sich einiges kosten lassen: Bessere Löhne, familienfreundliche Arbeitszeitenregelungen, Anwerbung von Fachkräften aus Osteuropa, Abschaffung des Schulgelds für...
weiterlesen


15.07.2018 - Görres: Outcome-orientierte Prozesssteuerung entscheidet über die Zukunft der Pflege

Berlin (scp) – „Die Quote ist nicht gleichzusetzen mit einer bestimmten Qualität", machte Professor Dr. Stefan Görres von der Universität Bremen beim Hauptstadtkongress 2018 zum Thema Fachkraftquote deutlich. Nicht brauchbar sei ein monokausales Modell, welches die...
weiterlesen


14.07.2018 - 2. Altenpflegebarometer. Misstrauen beherrscht die Altenpflege

Berlin (scp) – Die Ergebnisse des 2. Deutschen Altenpflegebarometers sind alarmierend: Die bundesweite Umfrage unter Führungskräften stationärer Altenpflegeeinrichtungen und ambulanter Dienste ergab, dass 88 Prozent der Befragten von der Altenpflegepolitik der Bundesregierung...
weiterlesen


28.06.2018 - Neue Studie analysiert Status Quo und Reformansätze

Berlin (scp) – Fachkräfte für soziale Dienstleistungen, insbesondere in der Alten- und Krankenpflege, werden dringend gesucht. Die Bundesagentur für Arbeit signalisiert für alle 16 Bundesländer beginnende oder bereits gravierende Fachkräfteengpässe. Trotzdem...
weiterlesen


20.06.2018 - Berlin: Wir haben ein Problem

Berlin (scp) – „Wir haben in Berlin ein massives Personal- und Versorgungsproblem", betonte Thomas Meißner, Vorstandsmitglied des AnbieterVerbandes qualitätsorientierter Gesundheitspflegeeinrichtungen (AVG), im Rahmen einer Anhörung im Ausschuss für Gesundheit,...
weiterlesen


20.06.2018 - DIP. Pflege-Thermometer 2018 veröffentlicht

Berlin (scp) – Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP) in Köln hat mit dem Pflege-Thermometer 2018 die Ergebnisse der bundesweiten repräsentativen Befragung von Leitungskräften in der teil-/vollstationären Pflege veröffentlicht (wir berichteten...
weiterlesen


19.06.2018 - Krankenhaus Rating Report 2018. Bis 2025 fehlen über 100.000 Pflegefachkräfte

Bis zum Jahr 2025 sind in Deutschland 80.000 zusätzliche Fachkräfte in der Altenpflege und 30.000 zusätzliche Krankenpflegefachkräfte erforderlich, um den Status quo in der Pflege von 2016 zu gewährleisten. Zu diesem Ergebnis kommt der Krankenhaus Rating Report 2018. Der...
weiterlesen


11.06.2018 - BMBF. Bessere Pflege in Deutschland

Mit dem Cluster „Zukunft der Pflege" verstärkt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Anwendung neuer Technologien in der Pflege. Zentraler Aspekt ist dabei der Transfer von neuen Erkenntnissen aus der Wissenschaft in den Pflegealltag. Die Vernetzung von...
weiterlesen


10.06.2018 - WIdO-Pflege-Report 2018: Zu viele Antipsychotika-Verschreibungen, Dekubitus-Fälle und Krankenhauseinweisungen in deutschen Pflegeheimen

Berlin (scp) – Zwischen deutschen Pflegeheimen bestehen deutliche Qualitätsunterschiede bei der Gesundheitsversorgung. Das zeigt eine aktuelle Analyse, die das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) im Rahmen des Pflege-Reports 2018 durchgeführt hat. (Über Teilergebnisse der...
weiterlesen


NÄCHSTE TERMINE
Berlin. 12. bis 14. März 2020.
Deutscher Pflegetag 2020
Berlin. 17. und 18. März 2020.
15. Kongress für Gesundheitsnetzwerker „Digital: Ist der Weg das Ziel?"
Hannover. 24. bis 26. März 2020.
Messe Altenpflege 2020
Berlin. 14. und 15. Mai 2020.
Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS). 15. APS-Jahrestagung: „Bist Du sicher? Patientensicherheit geht alle an!"
Mehr Termine
Für unsere Webpräsenz nutzen wir auch Leistungen Dritter, wie z.B. YouTube und GoogleAnalytics.
Sobald Sie auf unserer Webpräsenz landen, sind alle diese Funktionen von Beginn an deaktiviert.
Hier geben wir Ihnen die Möglichkeit, Ihre Präfenzeren festzulegen:

Eingebettete YouTube-Videos aktivieren. Dazu werden Daten an YouTube gesendet.
GoogleAnalytics aktivieren. Dazu werden Daten an Google gesendet.
Ihre Präferenzen werden in einem Session-Cookie gespeichert.
Ihre Einstellungen können Sie jederzeit auf unserer Seite Datenschutz individuell anpassen und zurücknehmen.