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Nachrichten aus der Pflege
Montag, 03. Juli 2017

Führung ist mehr als nur ein paar gute Worte

Erkenntnisse der Hirnforschung nutzen

Berlin (scp) – Wie funktioniert Motivation? Was ist Führung tatsächlich? Und was für eine Rolle spielt die Spiegelung und Resonanz dessen, was man tut? Letztlich: Wie steht es um die Selbstfürsorge und die eigene, stimmige Führung?

Das Thema Führung ist eines der großen Themen, welches in der Pflege vernachlässigt wird. Wir sehen viel lieber auf die Erfüllung von technischen Standards, machen einen Haken dahinter, und weiter geht es. Das ist ein schwerwiegender Fehler! Die Organisation ist nicht alles. Pflege funktioniert nur mit Menschen. Und die Zusammenarbeit derer braucht Führung: Gute Führung!
 

Botenstoffe sind für die Motivation verantwortlich

Deutlich hat dies der Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut, Prof. Dr. Joachim Bauer, bei der Festveranstaltung des durch den BKK Dachverband verliehenen Deutschen Unternehmenspreises Gesundheit 2017 gemacht. Die Motivation spielt sich im Gehirn ab. Dazu müssen bestimmte Botenstoffe aktiviert werden. „Das ist wie ein Cocktail, den Sie geben müssen, wenn sie motivierte, leistungsfähige Mitarbeiter haben wollen", sagt Bauer. Der Weg hierzu führe durch eine „hohle Gasse", die man gehen müsse, weist der Neurobiologe weiter hin.

„Wertschätzung, Anerkennung, Hinsehen, Kritik respektvoll ansprechen", dies alles aktiviere die Botenstoffe. Wertschätzung stehe dabei eng mit der sozialen Akzeptanz in Verbindung. Werden die eigenen Leistungen anerkannt („gesehen"), dann „fährt das Motivationssystem hoch", anderenfalls herunter. Fehlt die Belohnung und Anerkennung, „dann liegen Motivationskiller vor".

Benötigt werde ein geordneter Partizipationsprozess („hinhören"). „Die Beteiligung der Mitarbeiter stärkt die Bereitschaft hinter dem Unternehmen zu stehen", so Bauer. Dabei müsse jedoch auch ehrlich gesagt werden, dass die Leitung nicht aufgrund der Mehrheit der Meinungen entscheide.
 

Hohe Kunst der Führung

Wertschätzung muss durch die verbale Sprache und die Körpersprache gegeben werden. „Prüfen Sie einmal, wie Sie einen Raum betreten und den Blickkontakt zu Ihren Mitarbeitern herstellen. Die Mitarbeiter nehmen solche Signale wie in einem Röntgensystem hochsensibel wahr." Von einem permanenten Lob hält Bauer nichts. „Achten Sie auf die Dosierung." Wichtig sei, "dass der Mitarbeiter erkennt, dass Sie sehen was er tut".

Wertschätzende Kritik dürfe „nie in Respektlosigkeit abkippen", mahnt er weiter. „Es ist die hohe Kunst von Führung, dass durch eine wertschätzende Kritik kein Porzellan zerschlagen wird." Ein persönliches Gespräch sei dabei immer besser als eine Mail oder ein Brief. Hinzu komme, dass durch eine kritische Mail keine Leistungsverbesserung erreicht werden könne. „Warten Sie bis zum nächsten Tag, wenn Sie wütend sind", rät Bauer. Denn gerade bei Kritik könne viel Kapital zerstört werden.

Ausgrenzung und Schmerz betreffen die gleiche Hirnregion

Bauer weist weiter darauf hin, dass soziale Ausgrenzung und Demütigung die gleichen Hirnregionen ansprechen, wie der körperliche Schmerz. Blicke man in die Evolution zurück, dann hätte die Ausgrenzung aus der Gesellschaft früher den Tod bedeutet. „Die Ausgrenzung aus dem Team führt zu Schmerzen, was der sicherste Faktor für Aggression ist." Am Arbeitsplatz komme es somit zur Sabotage, was für das Unternehmen als Risikostrategie sehr gefährlich sei. „Die Message ist: Mobben Sie nicht und lassen Sie es auch nicht zu." Trennen Sie sich, wenn es nicht anders geht, frühzeitig.
 

„Das müssen Sie stoppen"

Wir begegnen am Arbeitsplatz zahlreichen Gefühlen, wie Optimismus, Leidenschaft, aber auch Ärger. All dies teile sich durch die Sprache (auch Körpersprache) mit. Bauer mahnt davor, dass in den Fällen, in denen eine Person schlecht über das Unternehmen oder auch ausführlich über seinen aktuellen Krankenstand spricht, dies dazu führt, „dass nach fünf Minuten sich alle zuhörenden Mitarbeiter gleichfalls schlecht fühlen".

Wissenschaftlich hänge dies mit „Resonanz und Spiegelung" zusammen, was so viel wie „Deine Gefühlszustände bilden sich auch bei mir ab" bedeutet. „Das müssen Sie stoppen, das steckt an." Für die Krankheit gebe es den Arzt. Im Unternehmen haben Berichte darüber nichts zu suchen.
 

Nutzen Sie Begeisterung

Der Körper, so Bauer erneut, sende Signale, die es im Unternehmen zu nutzen gelte. „Ihre Begeisterung steckt an. Nutzen Sie diese als Grundlage für Ihre Ausstrahlung und Führung. Seien Sie die positive Vorlage für Ihre Mitarbeiter."

Eine Führungskraft, die Ausstrahlung habe, „erzeugt in Mitarbeitern Resonanz, die ansteckend sein kann". Bauer rät daher dazu, sich der Wirkung des Themas Resonanz auf die Mitarbeiter bewusst zu werden.
 

„Halt mal inne"

Zur Selbstfürsorge muss das Gehirn auch mal „inne halten", weist Bauer abschließend hin. Dadurch fühle man sich am Ende besser. Konkret meint er damit, sich manchmal etwas zurückzunehmen. „Behalten Sie die Zügel in der Hand und lassen Sie das Reptiliengehirn nicht die Oberhand gewinnen. Bewahren Sie die Balance." Der Neurobiologe rät dabei dazu, sich an Zielen auszurichten. „Wir sollten die Selbstfürsorge für uns und unseren Körper nicht vernachlässigen. Denn nur wer auf sich selbst achtet und sich selbst gut führt, der kann auch andere Menschen gut führen", ist sich Bauer sicher.


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